Geistlicher Impuls

Kontrast erhöhen

für Leser/-innen mit Sehbehinderung

Text vergrößern: Strg + +
Text verkleinern: Strg + -
Text auf Standardgröße: Strg + 0

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
Impuls von Sr. Beate Seidel, Gästehaus Selbitz

Das neue Jahr hat begonnen. Mit welchen Gefühlen, Stimmungen, Ängsten, Erwartungen, Vorfreuden … sind Sie hineingegangen? Auf was schauen wir am Beginn eines neuen Jahres? Woher nehmen wir Mut und Zuversicht für das, was unbekannt vor uns liegt? Ein bewährter und für diese Situation passender Psalm ist Psalm 121:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.
Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.

Ganz klein steht darüber in der Lutherbibel „ein Wallfahrtslied“. Dieser Psalm ist also für das Unterwegssein gemacht. Aber es muss nicht die Wallfahrt – es kann jeder andere Weg sein,
auch der Weg durch einen Tag oder ein Jahr, das ungewiss vor uns liegt. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen … .“ Berge sind nicht nur faszinierend; sie können auch als etwas Unüberwindliches erscheinen. In einem alten St. Jakobs- Pilgerlied wird der Weg über verschiedene Gipfel eines Gebirges beschrieben. Und da heißt es von einem Berg: „Welcher Bruder darüber geht, dessen Backen werden ihm schmal.“ Ja, Unterwegssein birgt manche Gefahren und Herausforderungen, auch „die Backen können einem schmal werden“.

Auch sind wir Menschen sehr unterschiedlich gestrickt: wenn die einen gern „etwas Risiko ins Leben bringen“, sorgen andere lieber vor und wollen alles genau wissen. Gemeinsam bleibt allen trotzdem: wir wissen nicht, was kommt. Zukunftsangst hat aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre und dem Zustand unserer Welt gerade Hochkonjunktur. Das war aber auch in vergangenen Jahrhunderten so. Und es gibt verschiedene Strategien, damit umzugehen: Prognosen stellen, Horoskope lesen …

Was mache ich mit meiner Zukunftsangst? Habe ich überhaupt welche? Wenn ja, wovor?
Worauf freue ich mich aber auch im neuen Jahr – aber weiß natürlich nicht, ob es so kommt …

Der Psalmbeter schaut aus, auf das, was vor ihm liegt. Er hält, bevor er losgeht, inne. Er stellt sich die naheliegende Frage: woher kommt meine Hilfe, wenn ich unterwegs bin? Es gibt eine Geschichte von Corrie ten Boom, die ihren Vater als Kind fragt: Was werde ich tun, wenn ich leiden muss? Woher werde ich dafür die Kraft bekommen? Und der Vater antwortet mit einer Gegenfrage: wann kaufe ich uns die Fahrkarten, wenn wir mit dem Zug fahren wollen? Corrie antwortet: kurz vor der Abfahrt. Genau, sagt der Vater, und so wird dir Gott in dem Moment die Kraft geben, wo du sie brauchst, aber nicht vorher.

Genau davon sprechen auch die Verse des Psalms:
„Woher kommt mir Hilfe?
  Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“

Es geht um Vertrauen. Aber nicht um ein blindes Vertrauen. Denn die Entscheidung, wem oder was ich vertraue, ist wichtig. Hier heißt sie: Ich entscheide mich, auf den HERRN zu vertrauen, der Himmel und Erde gemacht hat. Größer kann man eine vertrauenswürdige Person eigentlich gar nicht definieren! Wenn jemand Himmel und Erde gemacht hat, dann wird er doch imstande sein, mir in den vielen Wechselfällen des Lebens beizustehen und zu helfen! „ … der Wolken, Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ dichtet Paul Gerhard in dem Lied „Befiehl du deine Wege“.

Manchmal wird dieses Vertrauen aber auch auf eine harte Probe gestellt. Manchmal scheint Gott so gar nicht zu helfen und einzugreifen. Wie viele Menschen haben z.B. in der harten Coronazeit gebetet, dass sie doch zu Ende gehen möge – und es hat so lange gedauert; wie viele beten jetzt schon treu und inständig Monat um Monat, Woche für Woche um Frieden in der Ukraine – abgesehen von den vielen anderen Krisen, Kriegen, Nöten, für die gehofft und zu Gott gefleht wird. Und der Krieg, die Kriege dauern an.

Ist Er denn nicht der, der Himmel und Erde gemacht hat? Kommt von Ihm nicht die Hilfe?
Die Versuchung ist, dann das Vertrauen auf Gott in Frage zu stellen. Die Psalmbeter machen uns aber auch vor, wie sie in solchen Situationen mit Gott ringen und auf eine „neue Stufe“ des Vertrauens kommen, wie ihr Blick weiter oder tiefer wird, wie sie Gottes Hilfe an ganz anderen Stellen erkennen, als sie vermutet und gesucht haben. Auch zu solchen Erfahrungen werden wir im neuen Jahr eingeladen sein.

Und dann kommen auffallend oft im Psalm die Worte „behütet“ und „Hüter“ vor.
Ja, bleib behütet im neuen Jahr! Bleib behütet, dass du nicht fällst – ganz wörtlich, aber auch im übertragenen Sinn. Auch wenn du schläfst – dich also selber nicht schützen kannst – wird der Hüter Israels dich behüten. Dann wird Er Nachtwache halten für dich, denn Er schläft nicht, Er schlummert nicht einmal. In klaren kurzen Worten wird ein Bild von der umfassenden Fürsorge Gottes gezeichnet. Er – der treue Menschenhüter.
 
Auch das neue Jahr wird vermutlich eher eine abenteuerliche Bergtour und nicht nur ein Sonntagsspaziergang. Aber wir können uns auch weiter mit Ihm als dem kundigen Bergführer auf den Weg machen. Segen wird uns für unseren Weg zugesprochen:
„Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“

 

Unser Info-Service

Auf Wunsch benachrichtigen wir Sie regelmäßig per E-Mail, wenn ein neuer geistlicher Impuls verfügbar ist. Schicken Sie uns hierfür einfach das ausgefüllte Formular.

Benachrichtigungsservice

Anmeldung

Zum Formular