Geistlicher Impuls

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O Heiland, reiß die Himmel auf

Impuls von: Sr. Martina Stieber / Ordenshaus Selbitz
 
Advent. Sehnsucht. Eine Zeit der Erwartung beginnt. Und eine Zeit der Spannung. Weihnachten gerät in den Blick. Und damit auch das Kind in der Krippe. Und mit ihm alles, was wir erhoffen, ersehnen, ja gar von ihm, dem Heiland der Welt, erwarten. Advent. Hoffnung. Und gleichzeitig beginnt auch eine Zeit, in der uns – gerade mit der Ahnung von Weihnachten – schmerzlich bewusst wird, wo wir Gott nicht finden, wo er, der Heiland, uns fehlt: im Alltag, in Beziehungen, in unserem Land, in der ganzen Welt. Sehnsuchtsvoll warten wir auf das Kind in der Krippe.
 

Voller Sehnsucht ist auch ein Adventslied, das vor allem in der Woche vom 2. Advent gesungen wird. O Heiland, reiß die Himmel auf. Mir gefällt dieses Lied sehr. Ich mag das leidenschaftliche Bitten darin, den Mut von Gott alles zu erwarten, ungebremst und ehrlich, sehnsuchtsvoll und hoffnungsvoll. In der ersten und vierten Strophe heißt es:

O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.
 
Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.

Wo bleibst du Trost der ganzen Welt? Ja, die Welt, wir sind trostbedürftig. Und ich glaube es ist nicht zufällig, dass dieses Lied eins der wenigen Lieder ist, das sowohl im evangelischen Gesangbuch als auch im katholischen Gotteslob zu finden ist. Die Sehnsucht vereint uns. In jedem Menschen gibt es Sehnsucht – versteckt oder ganz offen: wir möchten gesehen, getröstet, geliebt und letztendlich frei werden. Was für ein Geschenk, was für ein Glück, was für ein Segen, wenn diese Sehnsucht eine Adresse bekommt. Der Advent will sagen: hier ist die Adresse. Und die Zeit. Der Empfänger wartet. Trau dich. Trau dich, zu kommen mit all deiner Sehnsucht. Mit allem, was dich traurig macht und ängstigt und dir den Blick versperrt für das Gute, das Licht, das Hoffnungsvolle. Komm. Und trau dich. Trau dich, alles von Gott zu erwarten, alles von ihm zu erbitten.

Und der Advent hat noch mehr zu bieten: er lässt mich hoffen, dass meine Sehnsucht erfüllt, ja gestillt wird.  Gott kommt, er ist bereits in diese Welt gekommen und er kommt auch heute in jedes einzelne Leben hinein. Damit werden nicht alle Spannungen aufgehoben, alle Tränen getrocknet, alle Angst für immer verscheucht. Und doch verändert sich etwas. Wenn ich mich traue meiner Sehnsucht eine Adresse zu geben, Gott zu bitten, dann verändert sich etwas: Weil Gott die Spannung mit aushält, die geweinten Tränen sammelt, die Angst umhüllt und irgendwann das Licht durchbricht. Und dann danken möglich wird. Das braucht Zeit. So wie übrigens auch im Lied. Die siebte Strophe, die voll von Dank und Staunen ist, ist acht bis neun Jahre später hinzugefügt worden. Das zeigt auch eine schmerzliche Erfahrung und Wahrheit im menschlichen Leben: manchmal braucht nicht nur Gott mit uns Geduld, sondern auch wir mit ihm – oft mehr und länger als wir scheinbar zur Verfügung haben. Doch gerade dann ist unser Schrei, unser Bitten, unser Flehen, unsere Sehnsucht nach „O Heiland, reiß die Himmel auf“ so wichtig. Denn ohne das ist nicht erfahrbar, wovon die siebte Strophe spricht:

Da wollen wir all danken dir,
unserm Erlöser, für und für;
da wollen wir all loben dich
zu aller Zeit und ewiglich.

Ein kleiner Tip zum Hören:
 
„O Heiland, reiß die Himmel auf“ mit anderen Worten und in „modernem Gewand“ von einer Lobpreisband betitelt mit „Öffne die Himmel“, kann man sich unter folgendem Link anhören:
https://www.youtube.com/watch?v=V6Z0sw-x67c

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