Geistlicher Impuls

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Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Sr. Martina Stieber, Ordenshaus Selbitz

Sehnsuchtsvolle Blicke habe ich vor Augen, wenn ich diesen Vers lese, der über dem Erntedank-Sonntag steht. Die Augen suchend. Vielleicht traurig. Vielleicht hoffnungsvoll. Auf alle Fälle sehnsuchtsvoll. Sie suchen das, was fehlt. Manchmal lasse ich meine Blicke schweifen, weil ich etwas oder jemanden suche oder weil ich mir einen Überblick verschaffen will, aber ich glaube dieser Vers an Erntedank hat eine andere Sehnsucht vor Augen. „Aller Augen warten auf dich…“. Da geht es um mehr. Um das, was Menschen im Innersten fehlt. Und es geht um die Ahnung, die der Beter dieses 145. Psalms hat, dass die innerste, menschliche Sehnsucht nicht aus uns selbst heraus gestillt werden kann.

Sehnsucht. Und gleichzeitig führt uns Erntedank die Fülle vor Augen. In vielen Gemeinden gibt es noch den Brauch, dass Erntegaben oder Nahrungsmittel von Gemeindegliedern mitgebracht werden und der Altar damit festlich geschmückt wird. Bunt und lebendig habe ich diese Fülle vor Augen. Und doch ist sie auch hier: die Sehnsucht. Die Sehnsucht, dass sich diese Fülle auch im eigenen Leben, ja in der ganzen Welt ausbreiten möge. Auch in der Form von Nahrung, aber vor allem vielmehr in Form von Grundbedürfnissen wie dem Gefühl geliebt zu werden, angenommen zu sein, gesehen zu werden, sicher und friedvoll leben zu wollen.

Sehnsucht und Fülle. Beides begegnet uns an Erntedank. Dieses Jahr vielleicht in noch einmal konzentrierter Form. Bei uns im Ordenshaus ist der Altar auch geschmückt. Dezent. Keine Fülle. Dafür aber mit dem Wichtigsten: Brot und Trauben. Früchte menschlicher Arbeit als Gabe für uns. Früchte menschlicher Arbeit, die Christus benutzt, um uns – beim Feiern des Abendmahles – zu erinnern: ich in euch, ihr in mir. Früchte menschlicher Arbeit, die uns auch im Alltag begegnen und uns erinnern können: Christus ist gegenwärtig. In meinem Alltag. Und auch dann, gerade dann, wenn Vieles trist und schwer ist oder sich grau und neblig anfühlt wie an manchen Tagen das Wetter. Und ich mich nach Licht sehne: nach Sonnenlicht und nach innerem Hoffnungslicht. Dann kann mich Brot, das ich esse oder Weinblätter, die bunt und kunstvoll an Häusern emporranken daran erinnern: Christus ist gegenwärtig. Nicht nur an Erntedank, sondern dauerhaft. Als der, der unsere Sehnsucht im Tiefsten kennt. Als der, der uns einlädt, zu kommen. An seinen Tisch. Zu ihm. Um unsere Sehnsucht zu stillen. Mit Brot und Trauben. Zeichen für göttliche Gegenwart in unserem Heute. Sichtbar, erfahrbar und schmeckbar. Brot und Trauben. Erinnerung, dass Jesu Worte gelten: Ich in euch. Ich in allem, wonach ihr euch sehnt. Ich in allem, was schmerzvoll ist. Ich in allem, wo euer Herz sich freut. Ich in euch. Und ihr in mir. Mit allem, was euch aus macht. Mit allem, was ihr seid. Nichts von euch ist außerhalb von mir, sagt Christus, denn ich bin in euch und ihr seid in mir.

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