Geistlicher Impuls

Kontrast erhöhen

für Leser/-innen mit Sehbehinderung

Text vergrößern: Strg + +
Text verkleinern: Strg + -
Text auf Standardgröße: Strg + 0

Sehnsucht nach "mehr"
Sr. Maria Ute Ehlert / Hof Birkensee
 
„Wenn es Raachermannel nabelt un es sat kaa Wort drzu,
un dr Raach steigt an dr Deck nauf,
sei mr allezamm su fruh.
Un schie ruhig is in Stübel, steigt dr Himmelsfrieden ro,
doch im Harzen lacht's un jubelt's;
Ja, de Weihnachtszeit is do.“ *
(Text und Melodie: Erich Lang)


Dieses erzgebirgische Weihnachtslied klingt oft in der Adventszeit in mir, wenn ich bei dem Duft einer Räucherkerze sitze. Als Kinder fanden meine Schwestern und ich es eher lustig, diesen uns fremden Worten zu lauschen. Doch gerade dieses Lied war es und unser Räuchern mit dem Räuchermännchen im Kreis der Familie, was in uns bis ins Erwachsenenalter ein besonderes Gefühl für den Advent hinterlassen hat. Die Stimmung gab Geborgenheit und weckte in uns eine kindliche Hoffnung, dass Jesus die Welt besser machen wird.

Im Gespräch mit einer meiner Schwestern stellte ich fest, dass wir eine unbestimmte Sehnsucht nach „mehr“ in uns tragen in dieser Zeit, dass unsere Herzen berührt werden und dass Christus sie stillen wird. Die Adventszeit der Kindertage habe ich in meiner Erinnerung. Das Gefühl der Geborgenheit ist mir geblieben. Als Kinder waren wir erwartungsfroh und empfänglich an den Adventsnachmittagen. Wir waren in Ankunftsstimmung. Wenn ich heute als Erwachsene meinen vollen Alltag im Advent betrachte, vermisse ich diese Haltung. Ich wünsche mir, dass ich die Ankunft Jesu nicht nur mit dem Verstand erwarte, sondern das in mir auch diese freudige Hoffnung wiederkommt. Dafür möchte ich Raum in meinem Tag schaffen, um zu staunen und mich beschenken zu lassen.

Das Räuchern haben wir zwei Schwestern uns erhalten. Seit ich erwachsen bin, habe ich es auf meine Gebetszeiten erweitert. Der Geruch von Weihrauch hat eine beruhigende, manchmal auch tröstende Wirkung auf mich. Es fühlt sich nach Geborgenheit und Verbundenheit mit Gott an. Und wenn ich dann den aufsteigenden Rauch beobachte, kommt mir unwillkürlich die Antiphon aus Psalm 141,2 in den Sinn: „Wie Weihrauch steige mein Gebet zu dir auf, Herr, du mein Gott“. Der „heilige Rauch“, was Weihrauch, aus dem Althochdeutschen übersetzt, bedeutet, soll nach orthodoxem Verständnis Kontakt mir Gott herstellen. Das kann ich nachempfinden. Auch wenn meine Gedanken immer wieder wandern, so sammelt mich dieser aufsteigende Rauch und der Geruch und ich erfreue mich daran, dass ich da sein kann und mein Gebet auch so natürlich, fließend zu Gott aufsteigen kann.

In der Adventszeit gönne ich mir es, täglich eine Räucherkerze anzuzünden. In dieser Viertelstunde sitze ich da und genieße mit meinen Sinnen, rieche, schaue und lausche. Ich bin Gott dankbar für diesen Wohlgeruch, der mich innehalten und sammeln lässt in dieser oft so gefüllten Zeit. Es öffnet sich etwas in mir und ich kann es selbst nicht erfassen: In mir entsteht ein Gefühl von froher Erwartung auf Weihnachten.

Haben Sie auch ein Ritual, das Ihnen in der Adventszeit hilft?
 
Was bedeutet Ihnen die Adventszeit heute?
 
Wonach sehnen Sie sich?
 
Wie können Sie diese Sehnsucht mit Inhalt füllen, damit sie nicht nur jene aus Kindertagen bleibt?
 
Wie können Sie empfänglich werden?

* Hochdeutsch: Wenn das Räuchermännchen nebelt und es sagt kein Wort dazu,
und der Rauch steigt an die Decke hinauf,
sind wir alle zusammen so froh.
Und schön ruhig ist's im Stübchen, steigt der Himmelsfrieden herunter,
doch im Herzen lacht's und jubelt's,
ja die Weihnachtszeit ist da.

Unser Info-Service

Auf Wunsch benachrichtigen wir Sie regelmäßig per E-Mail, wenn ein neuer geistlicher Impuls verfügbar ist. Schicken Sie uns hierfür einfach das ausgefüllte Formular.

Benachrichtigungsservice

Anmeldung

Zum Formular