Geistlicher Impuls


Klangraum in den Bergen, Piatra Craiului, Rumänien, privat


Herbst(t)räume
 
Es ist Herbst. Wir genießen die letzte Wärme, das Licht und die Farben und träumen von der Schönheit des Sommers. Wir fahren die Ernte ein und feiern Erntedank. Es ist Zeit aufzuräumen, die Bade- und Campingsachen in den Keller, die Gartengeräte geputzt in den Schuppen, die Beete winterfest zu machen, damit der Boden bereitet ist und Raum werden kann für Neues.

Gilt das auch für die Seele? Hat die Raum für den Herbst? Oder ist für sie Raum im Herbst?

Haben Sie über diese Räume schon mal nachgedacht? Gibt es in ihrer Seele genug Stauräume, Entfaltungsräume oder Entstehungsräume? Räume zur Meditation? Hat Gott dort einen Raum? Was bräuchte es noch oder noch mehr?
Es ist ein Raum bei mir, sagt uns Gott zu. Dieser Raum ist ein Ort der Enge und der Weite, schrieb unsere Gründerin. Das mag erst einmal paradox klingen. Aber wenn wir es genauer betrachten, merken wir, dass da etwas dran ist. Ein Ort, der sowohl Geborgenheit, Schutz und Halt durch seine Begrenzung aber gleichzeitig auch viel Spielraum gibt, sich frei zu entfalten und zu lösen ohne enge Grenzen. Ein Raum, der sich an unsere Bedürfnisse anpasst, mit ihnen wächst, wie eine Haut.

Raum haben. Raum nehmen. Gott ist Raum.

Ich habe mir einen Ton vorgestellt. Er entfaltet sich in einem Wald, in den Bergen, also einem begrenzten Raum ebenso wie auf dem freien Feld, doch sein Klang ist verschieden und je nach Architektur des Raumes mal besser und mal weniger gut. Wie genießen wir es, einer Melodie in einer leeren, hohen Kirche zu lauschen oder in einem gefliesten Badezimmer? In einem vollgestellten, kleinen Büro oder Zimmer dagegen wohl eher nicht, denn er erstickt förmlich darin. Ein Ton braucht einen Klangraum. Ebenso ist es mit unserem eigenen Ton, der in uns ist und leben will, unsere Seele. Ist da viel Begrenzung durch Äußeres oder auch im Inneren, ist da alles vollgestellt, habe ich Angst vor mir oder vor anderen, bin ich auf der Flucht mir oder vor anderen, kann sie sich nicht niederlassen oder gar entfalten. Wenn ich bei Gott Raum suche und dort Tröstung erfahre, Geborgenheit erlebe, wird mein Innenraum größer, heller und geordneter, sodass sich meine Seele entfalten kann.

So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst… - kennen Sie diesen Satz von früher? Bei Gott gibt es keine Bedingungen, um an seinem Tisch zu sitzen oder bei Ihm Raum zu bekommen. Es IST ein Raum bei mir, spricht Er uns zu, jetzt, in der Gegenwart, ein weiter Raum, in dem es keine Rolle spielt, wer ich bin oder war, was ich denke oder fühle. Bei Gott bin ich angenommen. Und dieses Wissen zieht mich immer wieder zu IHM hin, um aufzutanken, um ich selbst sein zu können. Ich komme zu meiner Kraftquelle, von der ich wieder weiterziehen kann in meinen Alltag, um selbst Raum in mir zu haben, um Raum für andere zu geben.

Raum geben. Gott gibt mir Raum.

Haben Sie genug Raum für den Herbst, um ein bisschen zu träumen? Seine Klänge, Farben und Gerüche zu kosten, Raum zu haben in Gottes Schönheit? Herbst(t)räume wollen genutzt werden, bevor der Winter kommt. Sie werden entdecken, es öffnen sich neue.

Es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.  2. Mos 33,21

Sr. Maria Ute Ehlert / Ordenshaus Selbitz

Unser Info-Service

Auf Wunsch benachrichtigen wir Sie regelmäßig per E-Mail, wenn ein neuer geistlicher Impuls verfügbar ist. Schicken Sie uns hierfür einfach das ausgefüllte Formular.

Benachrichtigungsservice

Anmeldung

Zum Formular