Geistlicher Impuls

„Suchet der Stadt Bestes.“
Jeremia 29,7

 
Sr. Elise Stawenow, Ordenshaus Selbitz

Den 3. Oktober begingen die Ordenshaus-Schwestern mit einem stillen Gebetstag unter dem Motto „Suchet der Stadt Bestes.“ Bevor wir uns der Stadt annehmen sollten, galt es erst einmal das eigene Lebenshaus wahrzunehmen. Worin wohne ich gerade – in welcher Verfassung sind mein Leib, meine Seele und mein Geist?
Noch ganz frisch hörte ich in meinem Lebenshaus die Klänge unserer Regel, denen wir erst ein paar Wochen zuvor beim Schwesternwochenende Raum schenkten. Weil die Regel 20jähriges Jubiläum feierte, widmeten wir uns ihr intensiv.  So konnte ich das Fundament meines Lebenshauses bestaunen:
„Tritt ein in den Liebesraum des Dreieinigen Gottes. Schau auf ihn und bete ihn an, durch den deine Berufung sicheren Grund erhält.“ Regel, S. 10
Was für ein Glück, auf dem Grund der Liebe Gottes wohnen zu dürfen. Auch wenn mein Lebenshaus gerade etwas unaufgeräumt oder chaotisch anmutet, kann mir das keiner nehmen: Von allen Seiten bin ich umgeben und geborgen von der weiten Liebe des Dreieinigen Gottes. Das macht mir Mut, so wie ich bin vor die Tür zu treten und den Alltag in meiner Stadt zu leben.

Im Alltag in meiner Stadt begegnen mir Menschen – Menschen, die ich gut kenne und liebe, Menschen, die mich herausfordern, Menschen, die an mir vorüberziehen, Menschen, von denen ich nur höre oder ihnen in den Medien begegne.  Menschen, deren Not mich sprachlos macht.
Eine Stadt  und ein Land voller Menschen, ich mitten drin. Was ist meine Aufgabe?
„Du hast einen priesterlichen Auftrag, für Menschen und Völker vor Gott zu wachen und zu beten und sie in die Erlösung Jesu Christi zu bergen.“ Regel, S. 27
So sitze ich in der Kapelle, das ewige Licht brennt und ich bin einfach da. Mit meinem Dasein, Schweigen und Beten berge ich die vielen Menschen, die in der vergangenen Zeit an mir vorüberzogen in den weiten Raum der Liebe Gottes. Zum Glück reicht der Liebesraum nicht nur, um mein eigenes Lebenshaus auf ein unerschütterliches Fundament zu stellen – die unendliche Liebe Gottes darf jedem Menschen fester Boden unter den Füßen sein.

Doch nicht nur, wenn ich still in der Kapelle sitze, darf ich etwas von dem Glück über den Liebesraum, in dem ich wohnen kann, weitergeben. Die Liebe Gottes darf fließen:
„Die Welt ist bedürftig des Trostes und der Wahrheit Gottes. Sprich den Segen Gottes aus. Es soll Friede werden, wo Zerstörung herrscht.“ Regel S. 27
So gehe ich durch meine Stadt: Beim Mittagessen nehme ich all die Menschen wahr, die mit mir leben und segne sie. Wenn ich an der Ampel stehe und warten muss, ist Gelegenheit still und heimlich das Gute weiterzugeben: Ich segne die Fußgänger, die über die Straße eilen und die Autofahrerin, die wild auf ihrem Smartphone tippt. Auch das Pärchen, das lautstark streitet, bekommt etwas von dem Guten ab. Wenn ich dann in mein Lebenshaus zurückkehre und die verschiedenen Probleme entdecke, die ich noch nicht lösen konnte, bitte ich Gott darüber um seinen Segen.

Der Auftrag, der Stadt Bestes zu suchen, bedeutet für mich, etwas abzugeben von meinem Glück: Das Gute, das ich im Liebesraum Gottes empfange, weiterzugeben, indem ich segnend durch meine Stadt gehe und die Menschen um mich herum im Liebesraum Gottes berge.
Wie gut, dass weder der Liebesraum, noch der Auftrag zu segnen auf das Ordenshaus oder Kloster begrenzt ist – die Tür steht des Liebesraumes steht allen offen. Und jede Stadt, in der wir wohnen, freut sich über alle, die durch das Segnen das Gute weitergeben!

Unser Info-Service

Auf Wunsch benachrichtigen wir Sie regelmäßig per E-Mail, wenn ein neuer geistlicher Impuls verfügbar ist. Schicken Sie uns hierfür einfach das ausgefüllte Formular.

Benachrichtigungsservice

Anmeldung

Zum Formular