Geistlicher Impuls

ICH BIN

Das Johannes-Evangelium stellt die Herrlichkeit Gottes in die Mitte. Jesu Passion ist zugleich seine Erhöhung und Verherrlichung. Er bleibt auch in der Erniedrigung der Herr. Davon erzählt die Erzählung von der Gefangennahme Jesu.

Nach diesen Worten
ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus,
auf die andere Seite des Baches Kidron.
Dort war ein Garten;
in den ging er mit seinen Jüngern hinein.
Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort,
weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war.
Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohepriester
und der Pharisäer und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen.
Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte,
ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr?
Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret.
Er sagte zu ihnen: Ich bin es.
Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen.
Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!,
wichen sie zurück und stürzten zu Boden.
Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr?
Sie sagten: Jesus von Nazaret.
Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin.
Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen!
So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte:
Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.
Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es,
traf damit den Diener des Hohepriesters
und hieb ihm das rechte Ohr ab;
der Diener aber hieß Malchus.
Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide!
Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?
Johannes 18, 1-11

Es fällt auf, dass Judas zwar wie ein Befehlshaber mit Soldaten und Knechten kommt, aber dann sofort im Hintergrund verschwindet. Es kommt nicht einmal zum Kuss. Sowie sie auf Jesus treffen, bestimmt er die Situation.
Das zweite, das auffällt, ist die Frage Jesu: Wen sucht ihr? So hat er schon einmal zwei gefragt, die hinter ihm her gingen und ihn nach seiner Herberge fragten. Sie hat er eingeladen, mit zu gehen um zu sehen, sich selber ein Bild zu machen von ihm und seiner Sendung.

Die Antwort, die er im heutigen Text gibt, heißt. Ich bin`s. Das ist viel direkter, denn diese Antwort ist nicht nur eine einfache Bestätigung, sondern zugleich eine Bekanntmachung seiner Identität als Sohn Gottes.
Die Ausleger weisen darauf hin, dass im Griechischen hier ein Ausdruck steht, den man mit „ich bin es“ übersetzen kann, aber auch nur mit „ich bin“. Jesus knüpft an die Ich-bin-Worte an. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, ich bin die Auferstehung und das Leben, ich bin der gute Hirte, ich bin das Brot des Lebens. Die Zuhörer können aber auch das göttliche „Ich-bin“ darin hören, wie Gott sich dem Mose zu erkennen gegeben hat. Ich bin, das ist mein Name. Jetzt wird verständlich, warum die Soldaten erschrecken und umfallen. Sie scheinen zu spüren, dass sie es mit mehr als mit einem normalen Menschen oder gar einem Verbrecher zu tun haben.

Einer der zwei, die Jesus nach seiner Herberge fragten, war Andreas, der Bruder des Petrus. Aus dem Mitgehen für einen Tag und „mal schauen“ ist eine lebenslange Nachfolge geworden. Von den Soldaten zog keiner eine Konsequenz aus dem was er erlebte und erschreckte. Im weiteren Verlauf der Geschichte lesen wir: „Die Schar aber und ihr Anführer und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn.“ So unterschiedlich kann man reagieren.

In Jesus geht Gott selber den Weg in die immer größere Ohnmacht und bleibt dabei doch der Herr, der diesen Weg steuert. Das wird nochmals deutlich an dem Verweis an Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?
Wir sind eingeladen, dieses Geheimnis mit uns gehen zu lassen und in uns zu bewegen.

Sr. Barbara Müller, Gästehaus Selbitz

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