Geistlicher Impuls

 

Diese Plakatwand fotografierte ich letztes Jahr in einem Nachbarort. Es hat mich amüsiert und nachdenklich gemacht: ein beschädigtes Plakat, und zum Vorschein kommt noch etwas anderes, bezeichnenderweise der Ausdruck einer menschlichen Grundeinstellung: „Respekt, wer´s selber macht“. Autonom sein, niemanden brauchen, es selber machen, so verschafft man sich Respekt, im eigenen Inneren und vor anderen. Schöpferisch tätig sein, gestalten können, was für eine wunderbare Gottesgabe, doch wie aberwitzig angesichts des Todes. Wir können Leben zeugen und beenden, aber wir können nicht Leben schaffen, bei allem Respekt.Seit einem Jahr hört man nahezu täglich in den Nachrichten, wie viele Menschen am vorigen Tag und im Gesamten an und mit Corona gestorben sind. Selten war der Tod so präsent; was sind dagegen ein paar Bibelworte aus dem Johannesevangelium? Jesus Christus: Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer´s glaubt, wird selig!

Ostern! Wir feiern das Leben, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Wir feiern das Leben, weil an Ostern geschieht, was Jesus selbst seinen Jüngern verheißen hat und was wir im Johannesevangelium nachlesen können: Christus ist die Auferstehung und das Leben.
Auch wenn Gottesdienste nicht so stattfinden können, wie wir uns das so sehr wünschen, die Auferstehung und das Leben Christi sind nicht aufzuhalten. Wo wir angesichts des Todes mit jeder Machbarkeit am Ende sind, erweist sich Gottes Kraft und Macht. Eine Kraft, die stärker ist als der Tod, und eine Kraft, die Leben schafft, wo es nach menschlichem Ermessen am Ende ist.

Im Kopf wissen wir das vielleicht, haben die Worte gelesen, die dort im Johannesevangelium stehen: Leben. Auferstehung. Und können es doch nicht glauben. Wie die Jünger, die es gehört und doch gezweifelt haben. Dass aus den Worten in unseren Herzen eine Glaubenskraft wird, können wir nicht selber machen.
Doch damit sind wir nicht allein, sondern verbunden mit allen Glaubenden und Zweifelnden vor uns. Auch mit denen, die Jesus gesehen und gehört haben. Es kann gut tun, die biblischen Ostergeschichten zu lesen. Da ist wenig von Jubel oder von Glaubenskraft zu lesen, aber umso mehr von Ehrlichkeit, Zweifel und Angst: zwei Jünger, die wieder und wieder über die Vorfälle dort in Jerusalem reden und sich trotzdem keinen Reim darauf machen können (Lk.24,13-35); andere, die sich einigeln, verschließen, da doch alles keinen Sinn mehr hat, (Joh.20,19-23); Maria, die ihren Tränen freien Lauf lässt, sodass sie den Vertrauten gar nicht mehr erkennen kann (Joh.20,11-18), Frauen, die aus Liebe den Toten salben wollen und dann selber fast zu Tode erschrecken, weil das Grab leer ist (Mk. 16,1-8); Thomas, der Zweifler, der genau weiß, wie er wieder glauben könnte (Joh.20,24-29)… Zu allen findet Jesus einen Weg, der sie vom Unglauben zum Glauben führt; sie, die gar nichts mehr selber machen können, auch nicht glauben.

Vielleicht finden Sie beim Lesen Ihre Ostergeschichte, Sie müssen dabei nichts selber machen können. „Respekt, wer´s selber macht?“ Nein, das gilt bei Gott nicht. Im Gegenteil. Ihn machen lassen. An uns, an mir selbst Ostern geschehen lassen, indem ich mich Gott zeige, wie ich bin. Meine eigenen Machbarkeits-fantasien zur Seite lege und mich Ihm öffne mit meinen Zweifeln und Fragen, mit meiner Sehnsucht und mit meiner Ohnmacht. Und dann? Lassen Sie sich vom Auferstandenen überraschen!
Gesegnete Osterzeit!
 
Sr. Susanne Aeckerle, Ordenshaus/Selbitz

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