Geistlicher Impuls

„Und noch einen schönen Sommer!“
Sr. Mirjam Zahn, Ordenshaus

So ähnlich endeten bei mir in den vergangenen Wochen manche Emails oder Telefongespräche. Ich stellte mir vor, wie mein Gegenüber sich im Urlaub oder an schönen Sommerwochenenden mehr Entspannung gönnt als in anderen Zeiten: Ich sehe einen Liegestuhl und das Buch daneben, eine Wanderung kann es auch sein mit einer guten Brotzeit im Rucksack, oder die weit ausholenden Schwimmzüge in der Abendsonne im Baggersee oder im Meer…

Irgendwie ist der Sommer eben doch etwas Besonderes. Die Wärme tut uns gut, das Licht der Sonne – im angemessenen Maß – sowieso. Da spüren wir schneller als in den kalten Wintermonaten: Jetzt kann ich einfach nur mal da sein. Ich muss nichts bringen, ich kann mich dem Spiel von Wärme, Wind und Sonne einfach überlassen – und das alles ist sogar noch kostenlos! – Geschenkt von Gott persönlich. – Mir kommt in solchen Situationen oft ein „Danke“ über die Lippen: Danke, dass ich das einfach so in Anspruch nehmen kann! Und ich hole tief Luft und fühle mich eins mit der Schöpfung, die Gott so sehr liebt.

In diesem Jahr fiel mir nun noch ein Liedvers von Paul Gerhard auf, den ich wohl oft gesungen habe, doch an dem ich diesmal besonders hängen blieb. Darin heißt es:
„Gib, dass der Sommer deiner Gnad'
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe.“

Der Sommer der Gnade Gottes: Das ist doch ein wunderbares Bild! Die Zeit ist vorbei, in der es für uns hieß: „Da zieh dich nur mal warm an!“ – Die Gnade Gottes ist der Raum, in dem wir mit allem Drum und Dran unseres Lebens einfach da sein dürfen, weil ER uns liebt. Da wird es warm und leicht ums Herz. Wir müssen nichts verstecken, wir brauchen keine Maske, wir müssen kein Sonntagsgesicht aufsetzen. Wie im Liegestuhl können wir uns ausstrecken und uns dieser Liebe überlassen. Wir brauchen sie nicht erkaufen oder er-leisten, Er schenkt sie uns, weil Er es will. Und wir sind eingeladen, sie dann wirklich auch anzunehmen – und zu genießen.

Dieses Annehmen wird zu dem Glauben, der DU sagt zu Gott und in eine echte Beziehung mit Ihm kommt.  Paul Gerhard spricht dann sogar von „Glaubensfrüchten“, die in solch einem Gnadensommer in der Seele reifen können.
Was wird denn reif in uns, wenn wir uns lieben lassen? Es sind wohl die Früchte einer Seele, die selbst Frieden findet in dieser Liebe:
Eine Seele, die sich lieben lässt, wird immer mehr selbst lieben können, ohne Gegenleistung zu fordern. Eine Seele, die sich von Gott getragen weiß mit der Last ihres eigenen Lebens, wird tragfähiger werden für die Last anderer Menschen.
Eine Seele, die es wagt, sich in ihren Fragen und Unsicherheiten auf Gott zu werfen und darin immer neue Hoffnung findet, wird Hoffnung auch in anderen wecken können.

Ich liebe diesen „Sommer der Gnade“ sehr und will ihn mir nie mehr entgehen lassen, ihn voll auskosten. Vielleicht darf es auch ab und zu ein „Erntedankfest“ der Glaubensfrüchte geben, die ich selbst nicht sehen muss, die aber in Gottes Augen reif werden. -
Und nun – auch wenn der Herbst in Sicht ist - noch einen schönen Sommer – einen Gnadensommer!

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