Geistlicher Impuls

HEUTE – NUR HEUTE …
 
Impuls von Sr. Christa Ramsayer gehalten bei einer Werkwoche „Ora et labora“ auf Hof Birkensee
Thema der Tage: Dekalog der Gelassenheit von Papst Johannes XXIII.

Ich lade die Gruppe zu einem Gebärdengebet des Erinnerns ein (ca. 15 Personen stehen im Kreis).
 
Wir denken an unseren 1. Tag
Wir stehen, hier, jetzt gegenwärtig, spüren den Stand, den Kontakt zum Boden, achten auf den Atem wie er kommt und geht. Mit unserem ganzen Sein sind wir da, machen uns bewusst: Gott ist gegenwärtig und schaut mich an. Zu ihm sage ich: Heute bin ich von dir angesehen. Heute – nur heute – bin ich da mit beiden Füßen auf der Erde. Präsent, wach, aufmerksam. Heute. Ich spüre meinen Stand. Du Gott bist da und ich bin auch da! So verweilen wir einige Augenblicke im Heute!

Wir denken an unseren 2. Tag
Heute – bin ich glücklich – nur heute. Wie Kinder lasst uns in die Mitte hüpfen und die Arme in die Luft werfen. Lasst uns dabei rufen: Du Schöpfer hast mich für das Glück geschaffen. Dann lasst uns innehalten, ruhig stehen, die Arme ausbreiten und langsam aufs Herz legen und beten: Heute weiß ich um das „Glückselig bist Du"aus den Seligpreisungen.  Dies Glück gibst Du mir auch im Schmerz, im Leid, heute. Du bist mein Glück, Liebes oder Leides ich bin vergnügt, dass beides aus Deinen Händen quillt. Heute!

Wir denken an unseren 3. Tag
Heute – nur heute – übersteige ich meine Unlust. Wir stellen uns Steinbrocken, Blockaden vor. Wir heben die Beine, übersteigen sie, spüren die Anstrengung und beten: Du weißt schon, was mir widersteht. Du gibst mir Kraft zum Überwinden. Heute – nur heute – steige ich über meine Unlust hinüber – heute – nur heute.

Wir kommen beim vierten Tag an
treten einige Schritte aus dem Kreis nach außen und hören den Impuls für den heutigen Tag:
Heute, nur heute
werde ich auf ein zurückhaltendes Auftreten achten.
Ich werde niemand kritisieren,
ich werde nicht danach streben,
die anderen zu korrigieren oder zu verbessern –
nur mich selbst.

Die Gruppe nimmt Platz und hört den Impuls für den 4. Tag
 
Heute! Bei sich selbst anfangen, mit der Gelassenheit, mit zurückhaltendem Auftreten, dem Nicht-Verbessern, Nicht-Korrigieren.Was tun? Was lassen mit dieser Gelassenheit? Oder kann ich, wenn ich jemand Recht gebe, dabei doch noch meine Meinung unterbringen?
Heute, nur heute
werde ich auf ein zurückhaltendes Auftreten achten.
Ich werde niemand kritisieren,
ich werde nicht danach streben,
die anderen zu korrigieren oder zu verbessern  –
nur mich selbst.

Fallen Ihnen Situationen ein, bei denen Sie verbessert, korrigiert wurden? Es geht hier doch um das Alltäglichste der Alltäglichkeiten. Da ist vereinbart, dass ich für eine mir sehr nahe stehende Gemeinde bete, für die Gottesdienste und was sonst so läuft. Doch der gute Mensch schickt mir nicht seinen Gemeindebrief! Nichts sagen? Einfach hinnehmen? So allgemein beten?
 
Da steht ein Schild z.B. beim Vorratsraum oder Getränkeraum. Bitte Türe schließen – die Getränke dahinter sollen kühl bleiben. Schon wieder steht sie offen, jetzt bei der Hitze, diese Tür mit diesem Schild! Nicht darauf hinweisen, sich zurückhalten? Innen denkt’s: wer war das schon wieder?

War Johannes XXIII einer, der immer gleich einen Fehler sah, der auf Ordnung um jeden Preis pochte, der absolute Einhaltung von Regeln forderte? Wohl kaum. Wenn man den gemütlichen runden Mann mit dem heiteren Gesicht sieht!
Eine Anekdote zeichnet ihn anders:
„Ein junger Bischof wendet sich kurz nach seiner Weihe an Papst Johannes XXIII und sucht seinen Rat, weil er vor der hohen Würde dieses Amtes schlussendlich zurückschreckt und aus lauter Verantwortungsbewusstsein keinen Schlaf mehr findet. Er denkt, dass er dies auf Dauer nicht bewältigen könne.
Daraufhin lächelt der Papst und sagt: Mein Sohn, als ich zum Papst gewählt wurde, bin ich erschrocken vor der Würde dieses Amtes, und ich konnte eine Zeitlang überhaupt nicht mehr schlafen. Einmal bin ich doch kurz eingenickt, da erschien mir ein Engel im Traum, und ich erzählte ihm meine Not. Daraufhin sagte der Engel: 'Giovanni, nimm dich nicht so wichtig'. Seitdem kann ich wunderbar schlafen.“

Ein Gütiger, ein Heiterer, gibt uns mit seinen Gelassenheits-Geboten Teil an seinen Übungen im Alltag. Das Heute entlastet vom großen Muss. Ich muss nicht immer zurückhaltend und bescheiden sein. Nicht korrigieren, nicht verbessern, immer wieder mal einen Tag lang üben, verhilft mir zu erkennen, wo ich zu schnell und manchmal automatisch Hinweise gebe, die es nicht bräuchte. Ich merke dann, wo ich etwas verbessere, was mein Gegenüber selber erkennen wird. Ich spüre die Neigung, gleich auf Vergessenes aufmerksam zu machen und frage mich gar nicht, ob dies nötig ist.

Damit wir das Zurückhalten nicht als moralische Aufforderung missverstehen, möchte ich die oben genannten Beispiele auf die Bedürfnisse, die hinter dem Verhalten stehen könnten, anschauen. Ich möchte herausfinden, welche zu beachtenden Gefühle dazu gehören.
 
- Den Gemeindebrief, Aktuelles von dort bekommen. Bedürfnis: Dass die Verbundenheit gegenseitig gepflegt wird! Dass ein Signal kommt oder überhaupt ein Lebenszeichen! Wenn das ausbleibt, macht es mich traurig und ich bin enttäuscht. Darin nehme ich mich selbst ernst, bin gut zu mir. Dann entscheide ich, ob ich eine Bitte äußere oder es lasse. Ich möchte die Freiheit für beides haben. Und auf einmal kommt mir die Idee, die Sekretärin um die Zusendung des Gemeindebriefs zu bitten. Also hier passt: nichts sagen.
 
- Die offen gelassene Tür zu Vorratsräumen. Das Gefühl: Ärger! Haben die keine Augen im Kopf? Können die nicht lesen? Nun frage ich mich: Brauchen die Getränke die geschlossene Tür oder brauche ich sie? Ich identifiziere mich doch wohl etwas zu sehr mit der Tür. Ich fühle mich unbeachtet. Da sage ich liebevoll zu mir: „Denk daran, dass einer Dich immer sieht. „Du bist ein Gott der mich anschaut ...“ (1. Mose 16,13b). Dann entscheide ich, ob ich heute daran erinnere oder ob ich es lasse. Ich werde nicht nörgeln!
 
Gelassen werden! Dabei ist es unentbehrlich, liebevoll mit sich umzugehen. Erkennen, welche Bedürfnisse hinter der Neigung zu kritisieren und zu korrigieren liegen. Diese Jesus offen legen und mit ihm eine Entscheidung fällen. Ein weiterer Schritt wäre, zu überlegen, was der Mensch braucht, der versäumt einen Gemeindebrief zu schicken oder was der braucht, der die Tür nicht schließt.
Wir werden zur Gelassenheit eingeladen. Fangen wir klein an. Probieren wir heute wahrzunehmen, wann die Neigung zum Etwas-Deutlich-Sagen, zum Korrigieren und Verbessern auftaucht. Schauen wir, welche Gefühle und Bedürfnisse im Zusammenhang stehen.

Sollten Sie jedoch zu den Menschen gehören, die alles schlucken, keine Störung anmelden, hieße es wohl: Heute, nur heute probiere ich mal zu sagen, was mich stört.
 
Heute – nur heute – überlegen: ist korrigieren, hinweisen, verbessern dran oder nicht?
Spielend probieren mit der Heiterkeit von Johannes XXIII. und mit der Verheißung der Seligpreisungen, Kinder Gottes zu sein. Sich der Gelassenheit, dem Geschenk des Himmels öffnen!

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