Geistlicher Impuls


 
 
O König der Völker und ihr Ersehnter –
du Schlussstein, der du die beiden vereinigst: –
komm und heile den Menschen,
den du aus Lehm gebildet hast.

Diese O-Antiphon singen wir zum Magnificat im Abendgebet des 22. Dezember.
 

O König aller Völker.
Eine tiefe Sehnsucht nach dem König, nach dem Herrscher, der endlich Frieden bringt, Einheit, Versöhnung, Gerechtigkeit, in der Welt, im Land, in meinen Beziehungen, in mir selber …. Ein König, der herrschen wird für immer. Ich hätte es so gerne, leide an den Nöten so vieler Menschen, den ständigen Konflikten, bin erschüttert, dass sich die Menschen scheinbar nie ändern, Macht skrupellos ausüben und damit auch „über Leichen gehen“. Friedenskönig – du warst doch da, bist doch da, wo ist der Frieden? Es ist wohl doch ganz anders, ein tiefes Geheimnis, und dies beginnt bei mir selber. Wo zieht der König der Völker ein? Zu allererst bei mir, in mir will Er Wohnung nehmen. Ich brauche gar nicht in die große Politik zu schauen. Die Herrschaftsverhältnisse beginnen doch hier und in jedem kleinsten menschlichen Zusammenleben.

Da stellt sich in mir die Frage nach dem Umgang mit Macht.
Was löst der Begriff „Macht“ in mir aus? Wie und wo übe ich selber Macht aus? Wie begegne ich der Macht anderer? Wie begegnet mir darin Christus mit Seiner – ganz anderen – Macht? Dabei spielen meine bisherigen Erfahrungen gerade in der Kindheit eine Rolle. Macht - eher bedrohlich, bestimmend, mich klein machend, … ich habe Angst vor einer Übermacht, die mich niederdrückt, vor Willkür, Missbrauch von Macht? Da gibt es die Machtspielchen … wer ist stärker…?

„Macht“ ist aber erst einmal gar nicht nur negativ bestimmt, sondern eine neutrale Kraft. Ich denke an die Allmacht Gottes, die Macht Seiner Liebe. Wir haben meist ein gestörtes Verhältnis zur Macht. Und: Wir nehmen oft eher die Macht bei anderen wahr, aber nicht unsere eigene. Tatsächlich übe ich immer Macht aus, sogar, wenn ich mich ganz passiv verhalte. Es gibt keine machtfreien Beziehungen. Es heißt: die stärkste Macht ist die Macht der Gefühle. Mir fällt immer wieder auf, wie ich unbewusst in verschiedene Rollen schlüpfe, je nachdem wie mein Gegenüber agiert, welche Signale sie/er aussendet oder wie eine Gruppe zusammengesetzt ist. Plötzlich gerate ich in die Rolle der Lehrerin, die die zurechtweist oder aber in die Rolle des kleinen Kindes, das angstvoll gehorcht, oder aber meine aggressive Seite wird geweckt, die Widerständige und Rebellische in mir … Hier bleibt immer ein Machtgefälle in der Kommunikation: eine/r oben, eine/r unten.

Auf der anderen Seite muss ich oftmals verschiedene Rollen einnehmen: Da ist meine Position im Beruf, in der Familie, meine fachliche Qualifikation … Von mir wird erwartet, Verantwortung zu übernehmen, zu leiten, zu erziehen oder eben auch Anweisungen auszuführen … Wie übe ich dort Macht aus oder erlebe sie durch andere?

Und Gottes Macht? Die Insignien Seiner Königsherrschaft sind das Kind in der Krippe, die Armut, die Windeln, die Dornenkrone, er wird verspottet, getötet. Doch in seinem Abstieg lässt er sich nie seine Würde nehmen, gibt anderen wie Pilatus nur die Macht, die ihnen zusteht. Er muss sich nicht selbst behaupten, da er in sich die Fülle des Vaters hat und um seine Sendung weiß. Er lebt die wahre Demut, und diese ist schließlich die Macht der Liebe. Es ist ein Wagnis, diese Demut zu leben, d.h. es zu wagen, von meinem eigenen Thron herunterzusteigen und meine Wahrheit anzuschauen. Doch Gott nimmt meine krampfhaften Versuche, mich zu behaupten, gesehen, anerkannt zu werden behutsam auf. In Seiner Liebe kann heilen, sich versöhnen, was in mir und in den Beziehungen zu anderen zerrissen ist.
Vor Seinem Angesicht der Liebe kann ich all meine selbst gemachten Königsinsignien ablegen, weil Er mich krönt, mir Königswürde verleiht, mich ermächtigt, meinen Platz einzunehmen.
 
 
Eine gesegnete Adventszeit!

Impuls von Sr. Silja Grotewold, Hof Birkensee

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