"Viele Gedanken gehen mir durch's Herz und den Kopf, als ich bei strahlendem Sonnenschein und lautem Vogelgezwitscher auf dem Leipziger Südfriedhof unterwegs bin, einer meiner geliebten grünen Oasen im Süden der Stadt. Überall blüht und duftet es, was für eine Fülle an Blüten und wunderschönem Maigrün, ich nehme es tief in mich auf. Es hat etwas tief Tröstliches!
Ich versuche, das vor wenigen Tagen geschehene erschütternde Ereignis in unserer Stadt irgendwie zu begreifen. Meine Gedanken gehen zu den Betroffenen und den Angehörigen der Opfer, die die schreckliche Amokfahrt mitten in der Innenstadt letzte Woche gefordert hat. Wie mag es ihnen inzwischen gehen? Und wie haben all die Menschen, die in unmittelbarer Nähe des tragischen Ereignisses waren, das Geschehene erlebt und die Tage danach?
Ich gehe innerlich nochmal zurück zur Gedenkandacht, die am Tag danach in der Nikolaikirche stattfand und zu der viele Menschen gekommen waren. Mir war das innere Bild der Hand Gottes nahe, von dem unser Bischof Tobias Bilz sprach. Dass alles was uns begegnet, auch an Schwerem, in Gottes Hand Raum hat, ist ein tröstliches Bild. Ich komme an einem meiner Lieblingssteinkreuze vorbei und verweile, bringe Gott meine Ratlosigkeit, all die Ohnmacht angesicht der letzten Tage, all das, was so schwer zu begreifen ist. Als ein Vogel direkt über mir unermüdlich zwitschert, wird es innerlich warm in mir... Das Leben setzt sich durch!
Die Rhododendren gehen auf, manche Farben blühen schon prachtvoll, es duftet und summt um mich herum.
Auf dem Rückweg halte ich bei meinem Lieblingskreuz an. Jesus der Auferstandene hat mich schon oft getröstet. In diesem Moment klingt eine Bachkantate in mir..."Friede sei mit euch" und ich spüre tiefe Dankbarkeit, dass das Leben sich durchsetzt - dennoch! Jesus kam durch verschlossene Türen zu seinen Jüngern, ER kommt auch zu uns, durch alle Ratlosigkeit, alle Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wir leben in der Osterzeit, Jesus geht an unserer Seite. Sein Friede ist mit uns."
Das Leben setzt sich durch!
Die Amokfahrt in Leipzig hat Viele erschüttert. Auch Sr. Heike, die in Leipzig mit Tertiärgeschwistern lebt, hat es tief betroffen gemacht. Sie teilt Gedanken, die bei einem Spaziergang entstanden sind.