„Hoffnung ist… die Gewissheit, dass etwas Sinn hat“

„Bis zum 8. Mai muss ich den Internetimpuls abgeben“, denke ich. Bei diesem Datum „klingelt“ es unweigerlich in mir. Vor genau einem Jahr, am 8. Mai 2025, ist ein neues Gesicht und eine neue Stimme in der Weltöffentlichkeit aufgetaucht: Papst Leo XIV. wurde im Konklave gewählt. „La pace sia con tutti voi!“ – „Der Friede sei mit euch allen!“, waren seine ersten Worte vor zehntausenden jubelnden Menschen auf dem Petersplatz, die herbeigeeilt waren, als weißer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle und die Glocken des Petersdoms seine Wahl verkündet hatten. Ein Moment, der sich in meine Erinnerung eingeprägt hat. 

Es war denkwürdigerweise auch genau der 80. Gedenktag des Endes des Zweiten Weltkriegs.
Damals sind die Länder Europas allmählich aufgewacht und haben mit Schrecken festgestellt, dass nicht nur in Russland ein aggressiver Kriegsherr an der Macht ist, sondern auch die USA kein verlässlicher Partner in Sachen Frieden mehr sein werden. Verunsicherung hat sich breit gemacht. Und da hinein, in das Gebrüll der kriegsbereiten Mächtigen der Welt, eine ganz andere Stimme. Seither hat Papst Leo immer wieder zum Frieden aufgerufen. Unermüdlich und bei jeder Gelegenheit.
 
Und? Was bringt das? – Unsere Welt ist nicht friedlicher geworden seit einem Jahr, im Gegenteil. Was also „nützt“ es, wenn der Papst für den Frieden einsteht, wenn er doch nichts hat als seine Stimme? Reicht das, um sich den Mächtigen und ihrem Kriegswahn in den Weg zu stellen? Und überhaupt, was „nützt“ es, wenn nicht nur der Papst, sondern auch wir tagtäglich für den Frieden beten und unsere Welt doch scheinbar nur immer mehr von Hass und Gewalt zerrissen wird?

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht“ (Václav Havel), hat mir ein geistlicher Begleiter einmal gesagt. Ein Wort, das mich immer wieder begleitet. Ja, ich erlebe mich oft so ohnmächtig angesichts des Weltgeschehens und der vielen unschuldigen Opfer, die die Kriege fordern. Und wenn ich für den Frieden bete, geht es oft nicht „gut aus“. Aber ich kann weiterbeten, wenn ich glaube, dass es Sinn hat, dass ich es tue. Für mich hat es Sinn, dass ich die unzähligen Opfer vor Gott bringe, dass ich meine Stimme für die erhebe, die ihre Hoffnung verloren haben. Und es hat umso mehr Sinn, wenn ich weiß, dass viele es tun, zusammen mit dem Papst, der immer wieder auch darum bittet, ihn in seinem Gebet für den Frieden der Welt mitzutragen. Es hat Sinn, wenn wir unsere Stimmen vor Gott vereinen. Und wenn es auch die Mächtigen der Welt nicht verändert, so verändert es doch uns, indem wir die Hoffnung nicht verlieren. Deshalb bete ich weiter für den Frieden. Und ich bin dankbar und es macht mir Hoffnung, dass da einer ist, der, auch wenn seine Stimme scheinbar leise ist, unerschrocken für den Frieden einsteht.

Sr. Manuela Lehmann / Gästehaus Selbitz