Dieser Vers hat mich in dieser Passionszeit mehr als sonst berührt. Und das gar nicht in Bezug auf die Ostergeschichte, sondern in einer biographischen Dimension. Manchmal geht es vielleicht auch darum, sich selbst zu sterben, seine Form aufzugeben. Wesentlich beim Weizenkorn ist nicht die Hülle, sondern der Inhalt. Der Inhalt bringt die Frucht. Auch für uns Menschen gilt: Was wir weitergeben ist nicht das Äußere.
Bei jeder Beerdigung wird der Lebenslauf des:der Verstorbenen verlesen. Doch bleiben nicht Titel, berufliche Erfolge, Kontostände und angehäufte Schätze des Lebens. Sondern das, was uns bewegt hat - und was wir bewegt haben. Die Schätze unseres Lebens sind die Begegnungen – was wir mit anderen erlebt haben und die Werte die wir gelebt haben. Nicht WAS du tust ist wichtig, sondern WIE du es tust. Naja, vielleicht ist nicht ganz egal was du tust. Aber dass du es in Übereinstimmung mit deinen Werten tust.
Was hoffe ich weiterzugeben?
Zuwendung
Ehrlichkeit
Humor
Engagementbereitschaft
Gelassenheit und Geduld
Offenheit und Neugier
Ausdauer
Einfachheit
Klarheit
Zuversicht
Mut
Tiefe
Loyalität
und einen Blick für die Schönheit
Eine weitere Spur findet sich im Gedicht „Die frühen Jahre“ von Mascha Kaléko:
„Ausgesetzt
In einer Barke von Nacht
Trieb ich
Und trieb an ein Ufer.
An Wolken lehnte ich gegen den Regen.
An Sandhügel gegen den wütenden Wind.
Auf nichts war Verlaß.
Nur auf Wunder.
Ich aß die grünenden Früchte der Sehnsucht,
Trank von dem Wasser das dürsten macht.
Ein Fremdling, stumm vor unerschlossenen Zonen,
Fror ich mich durch die finsteren Jahre.
Zur Heimat erkor ich mir die Liebe.“
Wo Liebe eine (selbstgewählte) Heimat sein kann, da haben wir die richtigen Menschen getroffen.
Christina Ponader
Tertiärschwester