Beim Blick und Hören auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen kann man schon Angst bekommen: Das allgemeine Treten nach unten scheint salonfähig geworden zu sein. Migrant:innen kann man die Schuld an vielem geben und sie sollen bitte von unserem Land ferngehalten oder zurückgeführt werden. Sozialreformen sind unausweichlich – und einfach spart es sich vermeintlich bei denen, die sich nicht wehren können mit einer Verlagerung des Produktions- und Lebensstandorts. Wirtschaftswachstum ist wichtiger als die Zukunft unserer Umwelt. Männlich sein heißt nicht mehr so viel Rücksicht auf FLINTA*. Ein Erstarken von autoritären Perspektiven – Beteiligung kostet doch so viel Zeit, und ‚die Leute‘ wollen das sowieso nicht. Einigkeit ja, aber bitte nur, wenn es meine Position ist, die da durchgesetzt werden soll.

Diese Perspektiven verkennen die komplexen Zusammenhänge und widersprechen zum Teil ganz explizit wissenschaftlichen Erkenntnissen und erfolgreichen Entwicklungen in Deutschland und Europa in den letzten Jahrzehnten. Sie verkennen, dass komplexe Problemlagen nur gemeinsam gelöst werden können – und dass dieses ‚Gemeinsam‘ uns stark gemacht hat. Und dass es nicht wehtut, etwas gemeinsam zu machen, außer dem eigenen Geltungsbedürfnis.

Ich möchte betonen, dass es immer notwendiger wird, dass auch Christ:innen sich als Demokrat:innen bekennen. Wir müssen sichtbar sein und können uns nicht mehr auf die Selbstverständlichkeit der Demokratie verlassen. Mir wird immer deutlicher, was mir an Demokratie wichtig und bedeutsam ist: Menschenwürde. Schon im Artikel 1 unseres Grundgesetzes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und es steht da nicht nur, weil es schön klingt, sondern aus Erfahrung. Die Menschenwürde zeigt uns: Wir sind mehr als Funktion, Können oder Privilegien. Sie nimmt Rücksicht auf unsere Schwächen und Verletzlichkeit. Wir sind grundsätzlich vernunftbegabt und solidarisch. Sie führt uns in ein Mitgefühl füreinander. Das trifft auch den Kern unseres Glaubens: Wir als geliebte Geschöpfe. Unser Gott ist einer, „der uns sieht“.

Nicht nur als Christ:innen, sondern auch als Demokrat:innen sollten wir das immer wieder nach vorne stellen, zu einem Prüfkriterium für Entscheidungen machen. Wir entscheiden mit, wohin unser Land und unsere Gesellschaft steuert.  

Christina Ponader, Tertiärschwester

 

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