"Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst: Friede sei diesem Hause! Und wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden." (Lukas 10,5.6)
Wir gehen gerne in die Berge. Und neben der schönen Landschaft und dem Wandern in der Natur erfreut mich immer wieder das Grüßen. Wenn man sich auf den schmalen Wanderwegen begegnet, schaut man sich zwangsläufig in die Augen und gibt aufeinander acht. Und meistens wird auch ein Gruß gewechselt: „Grüß Gott“ oder „Servus“ oder „Hallo“. Wir schenken mit dem Gruß einem anderen Menschen einen Augenblick der Achtung und Freundlichkeit, der meistens auch entsprechend erwidert wird.

Vor ein paar Tagen las ich einen Artikel zum Winken. Die Autorin schreibt: „Ich bin eine Winkerin. Ich winke sobald sich eine Gelegenheit bietet. Winken macht mich glücklich.“  In netter Weise schilderte sie, wie sie von Kindheitstagen an anderen zuwinkt – von Brücken, vom Schiff, beim Abschied. Und sie erzählt, wie neben einem Winken meist ein Lächeln oder ein freundlicher Blick zurückkommt. Ein Augenblick der Aufmerksamkeit zwischen wildfremden Menschen entwickelt sich.

Ich bin auf einem kleinen Dorf aufgewachsen. Meine Eltern haben mir – durchaus mit einer gewissen Strenge – beigebracht, andere Menschen – vor allem Erwachsene zu grüßen. Das hat mir als Pfarrer immer geholfen. Wenn ich anderen Menschen begegne, kommt das „Grüß Gott“ geradezu reflexartig über meine Lippen. Das geht so weit, dass ich selbst in Städten mir wildfremde Menschen grüße. Manchmal schaut der andere weg, manchmal ernte ich einen verwunderten Blick und manchmal kommt ein freundlicher Gruß oder ein Lächeln zurück.

Viele Grußformeln sind Segensworte. „Grüß Gott“ bedeutet: „Gott grüße dich!“ Das Wort „grüßen“ und „segnen“ ist im Lateinischen und Griechischen gleich: „benedicere“ bzw. „eulogein“ können mit „segnen“ oder „grüßen“ übersetzt werden. Wörtlich heißt es: „Gutes sagen“. Wenn ich also andere Menschen grüße, sage ich ihnen etwas Gutes, ich spreche ihnen den Segen Gottes zu. Ob ich das oberbayrische „Pfiat Di“, das schwäbisch-fränkische „Ade“ oder das norddeutsche „Tschüss“ verwende, in allen Grußworten steckt das Lateinische „Ad deum“ – „Gott befohlen“, „Gott behüte dich“. Wenn ich andere Menschen grüße, stelle ich sie unter den Segen Gottes und befehle sie dem gnädigen Walten Gottes an.

Da kann man auch nichts falsch machen. Jesus befiehlt seinen Jünger, wenn sie in ein Haus kommen, zuerst einen Segen zu sprechen: "Friede sei diesem Hause!" Und er fügt hinzu, dass sich schon da zeigen wird, in was für einem Haus sie sind: "Und wenn dort ein Kind des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden." Der Segen, den wir grüßend sprechen, wirkt – entweder beim Gegrüßten, wenn er ihn annimmt; oder bei uns selbst, wenn er auf uns zurückgeht.

Also weiter tapfer grüßen und segnen: „Grüß Gott“, „Ade“, „Tschüss“, „Pfiat di“.

 

Tertiärbruder und Pfarrer i.R. Gottfried Greiner